
ART LOUNGE @ VIENNA FASHION WEEK
15.09 - 20.09.2025
ONLINE
Website: www.danijelradic.at
Instagram: @danijelradic.official
ME, MYSELF & I BY DANIJEL RADIC
„Wie viel Eigensinn macht noch Spaß?“ würde Hermann Hesse wohl in der heutigen Zeit fragen. Der freischaffende Künstler und Designer Danijel Radić stellt sich dem zeitgenössisch schier universellen Wunsch nach Selbstinszenierung durch Selbstinszenierung.
Demonstrativ setzt er sich mit dem Wechselspiel von Selbstdarstellung und Selbstwahrnehmung auseinander. Plakativ demonstert er das intime Entblößen der Seele als Akt der Maskierung des Körpers. Zwischen Offenbarung und Verkleidung, zwischen Authentizität und Camouflage wirken die Abbilder im Spannungsfeld von Selbst- und Fremdbild.
Das Selfie bietet Spiegel-Fläche zur gesellschaftlichen Selbstbefragung. Jede Aufnahme ist nicht nur ein Selbstportrait, sondern ein Angebot zur Betrachtung, ein stilles Verhandeln darüber, wie wir gesehen werden wollen und wie wir uns selbst sehen. Der Puls der Zeit und der Gesellschaft ertönt als Herzschlag des Individuums in Reflexion mit dessen essentiellen Fragen.
Sichtbarkeit, Selbstdarstellung, Selbstinszenierung sind zu zeitgenössischen Kriterien des (Jemand-)Seins oder Nicht-Seins hochstilisiert. In der Kunst existiert das Selbstportrait oder Selbstbildnis seit jeher, gilt spätestens seit der Renaissance als eigenständige Kunstgattung und ist heute als Instrument eines Selbstentwurfes in allen gesellschaftlichen Schichten angekommen. Doch worin liegt der Drang nach Selbstdarstellung begründet? Schlägt unser Herz höher, wenn wir uns selbst sehen? Ist es das ewige Streben nach Selbst-Erkenntnis oder eine evolutionär bedingte Überlebensstrategie?
In Zeiten von Selfies und digitalen Bildströmen, in denen Algorithmen Macht-suggerierende Sichtbarkeit verteilen und unsichtbare Regeln über vermeintliche Chancen bestimmen, wird das eigene Gesicht zur Bühne, die Pose zur Botschaft, der Look zum Statement, der Blick zur Währung. Das Selfie wird zur Ikone. Im Zentrum steht scheinbar der Mensch, doch vorrangig die Frage, wie er sich selbst aktiv zeigt und präsentiert, um aktiv-passiv gesehen zu werden. Das Subjekt ist längst zu seinem eigenen Objekt geworden. Intimität fungiert als Selbstzweck. Dahinter schlummert der stille Schrei nach Anerkennung der eigenen Identitätssuche: „Sieh‘ mich an, das bin ich, ich bin – viele.“
Im Angebot der Betrachtung besteht, bei aller Vulnerabilität, die Möglichkeit, berührt zu werden, sich selbst zu spüren. Egal, ob durch Würdigung oder Ablehnung. Die permanente Selbstschau dient der Hoffnung, durch die Augen des Anderen, einen Blick auf sich selbst zu erhaschen.
In seiner Arbeit „Me, Myself & I“ paraphrasiert Danijel Radić den Menschen im permanenten Kampf um Aufmerksamkeit und um Deutungshoheit über das Selbstbild, im Versuch das Fremdbild zu bestimmen. Denn als soziale Wesen haben wir, um es frei nach Sartre zu sagen, im Blick des Anderen die Möglichkeit, uns selbst zu erkennen.