Nach ihrer Premiere vor zwei Jahren legte das Team der Pensionist*innenklubs heuer nach. Am 15. September präsentierten sie ihre Kollektion FENWOMENAL auf der VIENNA FASHION WEEK.26. 34 Frauen entwarfen und fertigten die Looks, 30 von ihnen standen selbst auf dem Laufsteg. Das Ergebnis: 57 Unikate aus ausrangierter Kleidung und persönlichen Erinnerungsstücken – irgendwo zwischen Kunst und Couture.
Ein Kleiderschrank voller Erinnerungen
Am Anfang stand ein Kleiderschrank. Der textile Nachlass eines geliebten Menschen, gefüllt mit Kaschmir, Leinen und Seide – viel zu kostbar, um einfach weggeworfen zu werden. Madlena Komitova, Leiterin der Pensionist*innenklubs der Stadt Wien, wollte diesen Stücken ein zweites Leben geben. Gemeinsam mit Irena Reichel vom Klub+ Atelier entwickelte sich daraus das Projekt Fashion Reloaded.
Die Wurzeln reichen bis ins Jahr 2019 zurück, als Schneidermeisterin Magdalena Neschkovski Seniorinnen an das Nähen heranführte. Aus einer Werkstatt wurde nach und nach ein Modeprojekt, das Upcycling mit Teilhabe und Selbstentfaltung verbindet. Frauen, die ihre eigenen Talente und Wünsche oft zugunsten der Familie zurückgestellt hatten, bekamen hier eine Bühne, um ihre Kreativität neu zu entdecken und zu zeigen, was in ihnen steckt.
Auch abseits des Laufstegs sind die Frauen längst sichtbar. Auf @haeuser.zum.leben zeigen sie, wie selbstverständlich Erfahrung und Stil zusammengehören.
Drei Akte, 57 Geschichten
Schon vor dem ersten Ton war der Saal selbst ein kleines Modebild. Das Publikum war dicht gefüllt mit ausdrucksstarken Outfits und sorgte für die passende Stimmung.
Der Auftakt gehörte dem Tailoring – allerdings mit einem Twist. Puffärmel, Blazer mit Fellbesatz und eine Jacke aus Krawatten brachen bewusst mit klassischen Vorstellungen von Damen- und Herrenmode. Im Mittelpunkt standen Selbstbewusstsein und der Mut, Konventionen hinter sich zu lassen.
Danach wurde es ruhiger. Zwei Frauen bewegten sich synchron in langen Kleidern, während der Schmuck die Aufmerksamkeit auf sich zog und den Looks eine ganz eigene Wirkung gab.
Im dritten Akt betraten mythologische Frauenfiguren den Laufsteg. Mit I am the Consequence zeigte Sonni Schwarz ein schwarzes Korsett – eine Ode an die Wut als Antwort auf Gewalt gegen Frauen. Zu den weiteren außergewöhnlichen Kreationen gehörten ein Kleid aus Kaffeekapseln und ein Fischernetz, das als Schleppe neu interpretiert wurde. Den Abschluss bildete die Phönixfrau von Margit Sedlak Emperer – eine Allegorie auf Wiedergeburt.
Mit Footlose wurde schließlich das Frausein selbst gefeiert, ganz ohne Rivalität oder Konkurrenz. Das Publikum klatschte begeistert mit.
Erfahrung hat ihren eigenen Stil
Besonders schön war das Zusammenspiel von Opulenz und Coolness. Vergangenheit und Gegenwart standen nicht im Widerspruch, sondern gehörten ganz selbstverständlich zusammen. Die Kollektion erinnerte an einen Kleiderschrank, der über ein ganzes Leben gewachsen ist – voller außergewöhnlicher, mutiger und sehr persönlicher Stücke.
Im Finale trugen die Frauen aufwendige Kopfbedeckungen als Zeichen dafür, dass Frauen mitentscheiden und mitgestalten sollen. Die Moderatorin brachte die Stimmung im Saal auf den Punkt: „Habt ihr die Energie gespürt? Nehmt sie mit.“
Und die Energie blieb auch nach der Show spürbar. Draußen wurde fotografiert, gratuliert und miteinander gesprochen. Eine Studentin zeigte sich begeistert von so viel Mut und Selbstbewusstsein.
FENWOMENAL schuf Raum für Frauen mit Lebenserfahrung – für Frauen, die sich gerne kleiden, ausdrücken, kreativ entfalten und miteinander verbinden.
Eine wichtige Show. Und eine ansteckende.


