Rund 13,3 Millionen Tonnen Textilabfälle entstehen jedes Jahr in Europa – etwa 25 Kilogramm pro Person. Doch gespendete Kleidung wird nicht automatisch recycelt. Derzeit wird weniger als ein Prozent der Textilien zu neuen Textilfasern verarbeitet.
Bei der VIENNA FASHION WEEK.26 diskutierten Expert aus Recycling, Industrie und Mode, was sich ändern muss, damit eine funktionierende Textilkreislaufwirtschaft Realität werden kann. Moderiert wurde der Talk von Lilian Klebow.
Warum Textilrecycling noch immer eine Herausforderung ist
Wie Nunu Kaller erklärte, liegen die Schwierigkeiten nicht allein in der Technologie. Auch das Sortieren der Textilien stellt eine große Hürde dar – vor allem dann, wenn Kleidungsstücke aus Fasermischungen bestehen. Materialien aus Polyester und Viskose können beispielsweise das chemische Recycling erheblich erschweren.
Gleichzeitig gibt es bereits Ansätze, die zeigen, was möglich ist. Alexander Opelt, CEO von Saubermacher, diskutierte gemeinsam mit dem Textilrecyclingexperten Tércio Pinto von Refibertech und der Designerin Gabriele Rigby vom Label FRÖHLICH über konkrete Lösungen für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft.
Automatisierte Systeme können Textilien analysieren und nach Faserart und Farbe sortieren. Auch Knöpfe und Reißverschlüsse lassen sich mechanisch entfernen. Solche Technologien schaffen wichtige Voraussetzungen für effizientere Recyclingprozesse. Die Herausforderung besteht jedoch darin, sie im großen Maßstab wirtschaftlich und zuverlässig einzusetzen.
Kreislaufwirtschaft braucht gemeinsames Handeln
Technologie allein wird das Problem nicht lösen. Damit eine funktionierende Textilkreislaufwirtschaft entstehen kann, müssen Politik, Industrie und Konsument zusammenarbeiten. Eine fachgerechte Entsorgung von Textilien, strengere Kontrollen gegen unfaire Billigimporte und ein Produktdesign, das Wiederverwendung und Recycling von Anfang an mitdenkt, sind wichtige Schritte.
Die Diskussion machte deutlich, dass Verantwortung entlang des gesamten Lebenszyklus eines Kleidungsstücks entsteht. Wie Mode entworfen und produziert wird, ist ebenso entscheidend wie die Art, wie sie gekauft, gesammelt, sortiert und am Ende ihrer ersten Nutzungsphase weiterverarbeitet wird.
Es geht darum, das Wegwerfdenken hinter sich zu lassen und Materialien möglichst lange im Kreislauf zu halten – damit aus Bestehendem wieder etwas Neues entstehen kann.
Mode hört nicht auf. Sie beginnt neu.

