Widerstandskraft, Nachhaltigkeit und Hoffnung sind Themen, mit denen sich die Show der Designerin Atena Neuhuber auseinandersetzte. Unter dem Titel „1001 Nacht“ zeigte sie am Dienstag, den 15. September 2026, gemeinsam mit 26 iranischen Designerinnen ihre Kreationen auf der VIENNA FASHION WEEK. Neuhuber, die selbst iranischstämmig ist, greift mit dieser Kollektion die aktuelle politische Situation im Iran auf und setzt gemeinsam mit den Designerinnen ein Zeichen. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Themen wie Identität und Freiheit, die durch Mode zum Ausdruck gebracht werden.
VON SIMORGH ZUM NIGHT COURT
Die Show begann ohne große Ansprache mit einem Film. Zu sehen war ein aufgeschlagenes Buch, in dem die Worte „Dawn of Isfahan“ zu lesen waren – ein Tag in Westasien brach an. Eine Frau in traditioneller Kleidung wurde gezeigt, an ihrem Fenster sitzend, daneben ein wichtiges Symbol der persischen Mythologie. Es handelte sich um den Simorgh, ein berühmtes Fabelwesen, das auch als König der Vögel bezeichnet wird. Er gilt als Symbol für Weisheit, Schutz und Wiedergeburt und steht bis heute für Stärke, Hoffnung und die Überwindung großer Schwierigkeiten. Seine Darstellung zu Beginn der Show könnte daher als bewusste Anspielung auf diese Themen verstanden werden und gleichzeitig einen ersten Hinweis auf die Motive geben, die sich durch die Inszenierung ziehen.
Das Video ließ die Besucherinnen und Besucher der VIENNA FASHION WEEK die Hauptprotagonistin durch einen Tag in Isfahan begleiten, wobei als Kameraperspektive die Vogelperspektive gewählt wurde. Gegliedert wurde die cineastische Erfahrung durch die Wiedererscheinung des eingangs genannten Buches. Nach dem Anbruch des Tages wurden die Betrachterinnen und Betrachter weiter in den „Garden of Eden“ geleitet. Auch diese Bezeichnung könnte als bewusste allegorische Anspielung auf den biblischen Garten Eden verstanden werden. Dieser steht für das Paradies, aber auch für den Beginn einer Geschichte über Verführung, Freiheit und deren Verlust. Im Zusammenhang mit den zuvor aufgegriffenen Themen lässt sich darin möglicherweise eine weitere Auseinandersetzung mit Freiheit und deren Einschränkung erkennen.
Anschließend führte die Show weiter in die Szene „Desert Mirage“. Den Abschluss bildete „Night Court“. Zu sehen war eine lebhafte Gesellschaft, die gemeinsam aß, miteinander sprach und den Abend sichtlich genoss. Auch dieser letzte Abschnitt könnte als bewusster Kontrast zu den vorherigen Szenen gelesen werden und vermittelte den Eindruck eines ausgelassenen und unbeschwerten gesellschaftlichen Zusammenlebens.
AM LAUFSTEG
Danach begann die eigentliche Show, in der Atena Neuhuber gemeinsam mit den Designerinnen Looks präsentierte, die die zuvor aufgegriffenen Allegorien widerspiegelten. Die Kollektionen zeichneten sich durch den Einsatz von Seide, Spitze, Glitzer und Fransen aus. Dabei wurde immer wieder mit Kontrasten gespielt – etwa zwischen zarten Stoffen, die sich fließend und scheinbar mühelos an den Körpern der Models bewegten, und härteren, geometrischen Formen wie ausgeprägten Schulterpolstern oder bewusst gesetzte Cut-Outs. Im Mittelpunkt stand dabei jedoch stets die Darstellung von Femininität und Sensualität.
Durch die Verbindung von Mode, Film und kulturellen Symbolen entstand eine Show die bleibenden Eindruck hinterließ.


